Dachbodenkinder – Simone Weber (Sofort lesen) Noch keine Bewertung

5 Kurzgeschichten, die Sie um Ihre Nachtruhe bringen könnten. Sie lesen von: Kindern, die einfach so verschwinden und über einen hungrigen Jungen. Gibt es eigentlich perfekte Morde? Und haben wir nicht alle Angst davor, vergessen zu werden? Lesen Sie selbst ...

Dachbodenkinder - Tom wird von seinen Eltern nicht beachtet. Nach einem Umzug in ein neues Haus entdeckt er auf dem Dachboden alte Schaufensterpuppen. Haben diese Puppen etwas mit seinem Verschwinden zu tun?

***

Dachbodenkinder

Kapitel 1

»Schau mal Mama, mein Flugzeug, schau doch mal!«, rief Tom aufgeregt seiner Mutter entgegen.

»Ja, ganz toll, mein Schatz«, antwortete sie mit einem halbherzigen Blick auf ihren Sohn.

»Du guckst ja gar nicht richtig!«, beschwerte er sich.

»Tommy, bitte, geh in deinem Zimmer spielen, ich habe gerade keine Zeit für so etwas. Du siehst doch, dassich am Einpacken bin.«

Tom war enttäuscht. Seit seine Mutter wieder angefangen hatte zu arbeiten, hatten sein Vater und seine Mutter kaum noch Zeit für ihn. Zwar arbeitete seine Mutter von zu Hause aus, doch sobald sie an ihrem Schreibtisch saß, war sie quasi nicht mehr ansprechbar. Mit hängendem Kopf und schweren Schultern ging er in sein Zimmer.

'Geh in deinem Zimmer spielen', hatte Mama gesagt. Tom fragte sich, womit er spielen sollte? Außer seinem Flugzeug war doch schon alles in Kisten und Kartons verpackt. Immerhin war morgen schon der Umzugstermin. Tom wollte nicht in das neue Haus. Er mochte sein altes Zimmer ganz gern. Traurig setzte er sich auf sein Bett. Papa hatte ihm erklärt, dass es in dem neuen Haus viel mehr Platz gibt, als in der Wohnung, in der sie jetzt wohnten. Außerdem war noch ein richtig schöner Garten dabei, in dem sie bestimmt ganz oft, zumindest an den Wochenenden, zusammen Fußball spielen können. Tom glaubte nicht an diese Versprechungen. Sein Vater hatte so schon kaum Zeit für ihn und am Wochenende wollte er lieber seine Ruhe haben, damit er sich von der anstrengenden Woche erholen konnte. Warum sollte sich das in dem neuen zu Hause ändern? Bei Mama war es nicht anders. Im Gegenteil. Bisher hatten Tom und sie richtig tolle Spiele gespielt, wenn Papa auf der Arbeit war. Jetzt aber, da sie selbst auch wieder arbeiten ging, hatte sich ihre Zeit für ihn drastisch verkürzt. Jetzt hatte auch sie kaum noch Lust mit ihm zu spielen, weil sie dauernd zu müde war, wie sie sagte. Nicht einmal mit Oma und Opa war noch etwas anzufangen. Alle waren nur noch mit einpacken und ausmisten beschäftigt. Gelangweilt legte Tom sich auf sein Bett, kreuzte die Arme unter seinem Kopf und starrte an die Decke. Er versuchte sich wenigstens vorzustellen, wie es in dem neuen Haus werden würde. Bisher kannte er das Haus nur aus den Erzählungen seiner Eltern. Gesehen hatte Tom es noch nicht. Über seine Gedanken hinweg schlief Tom ein.

Er hatte seine Augen noch nicht lange geschlossen, als seine Mutter an der Tür klopfte, um Tom zum Abendessen zu holen. Als sie sah, wie friedlich ihr Sohn auf dem Bett lag, verwarf sie den Gedanken und ging ohne ihn in die Küche.

»Tom schläft wie ein Stein«, sagte Andrea kichernd zu ihrem Mann, der schon bereit für das Abendessen am Esstisch saß.

»Ich wollte ihn nicht wecken. Sein Gesichtsausdruck ist so zufrieden und ruhig.«

»Na, dann lass den Jungen schlafen. Er hat immerhin einen aufregenden Tag vor sich«, antwortete Peter.

»Ich muss gestehen, nach dem Essen verschwinde ich wohl auch gleich im Bett. Und dir dürfte es auch nicht schaden, dich vor dem großen Tag noch etwas auszuruhen.«

Sie unterhielten sich wenig während des Essens. Nur die nötigsten Absprachen, wie der nächste Tag verlaufen sollte, wurde besprochen. Kaum hatten sie ihre Teller geleert, räumten sie alles gemeinsam fort und fielen danach tatsächlich fast gleichzeitig in ihre Betten.

Kapitel 2

Schon sehr früh am nächsten Morgen waren alle fleißig damit beschäftigt die letzten Kleinigkeiten

einzupacken. Alsbald waren die letzten Kartons und Kisten im Auto verstaut.

»Na dann, ab in neue Gefilde!«, rief Peter freudig. Er konnte es kaum noch erwarten, endlich aufzubrechen.

»Einen Moment noch«, wandte Andrea ein. »Wir haben noch etwas vergessen.«

»So? Und was sollte das sein?«, erkundigte Peter sich neugierig. Seines Wissens nach hatte er alles, was sie nicht dem Möbeltransporter mitgegeben hatten, in den Wagen gepackt. Er hatte nichts zurückgelassen. Die komplette Wohnung war leer geräumt.

»Dein Sohn fehlt noch, du Oberheld!«, antwortete Andrea lachend, während sie schon auf dem Weg zurück zum Haus war. »Ich hole ihn, steig du nur schon einmal ein, damit wir hier endlich wegkommen.«

Andrea freute sich auf das neue Haus. Sie freute sich über das große Platzangebot dort und den angelegten Garten drum herum. Und doch wurde ihr Herz ein wenig schwermütig, als sie jetzt an diesen kahlen Wänden vorbei schritt. Erst jetzt viel ihr auf, wie viele Erinnerungen, in diesen Zimmern zurückblieben. Tom mussten ähnliche Gedanken bedrücken. Andrea fand ihn in seinem Zimmer mit dem Kopf an eine Wand gelehnt. »Da bist du ja, mein Schatz. Komm, Papa wartet im Auto auf uns.«

Tom hob seinen Kopf ein kleines Stück von der Wand weg. Traurig schaute er seine Mutter an und fragte: »Bist du sicher, dass im neuen Haus alles besser wird, als hier? Ich meine, hier kenne ich mich in der Umgebung aus. Hier weiß ich, wo alles ist und kann alleine spazieren gehen und dort? Wie soll ich wissen, was ich dort machen kann, wenn ihr nicht zuhause seid?«

»Das wird schon. Wenn du dich erst einmal eingelebt hast, findest du dich schon zurecht. Bestimmt findest du auch ganz schnell Freunde. Ich habe gehört, es soll dort ganz viele Kinder in deinem Alter geben«, antwortete Andrea augenzwinkernd.

Arm in Arm kamen Andrea und Tom bei dem vollgepackten Wagen an. Sie stiegen ein. Andrea vorn, Tom auf der Rückbank hinter seinem Vater, der ungeduldig am Zündschlüssel klapperte. Jetzt konnte die Fahrt endlich losgehen. Peter drehte den Zündschlüssel vollends um, schaltete das Radio ein und sagte: »Nur noch knapp 200 Kilometer und schon sind wir am Ziel.«

Kapitel 3

Tom war während der Fahrt auf der eintönigen Autobahn so langweilig geworden, dass er eingeschlafen war. Er wunderte sich sehr, als er seinen Vater plötzlich sagen hörte: »Wach auf, kleiner Mann, wir sind da.«

Zuerst dachte Tom, sein Vater meinte den ersten Stopp an einem Rasthof. Da die Straßen aber relativ frei waren und es auch sonst keinen Grund zum Halten gegeben hatte, war Peter geradewegs durchgefahren. Seine Mutter hatte sogar schon angefangen die ersten Sachen aus dem Kofferraum zu holen und stellte sie neben das Auto. »Na los doch. Steig schon aus und hilf mir!«, forderte Andrea ihren Sohn auf. Mühsam schälte Tom sich aus seinem Sitz heraus. Er griff sich einen Rucksack und eine kleine Tasche, die Andrea ihm bereitgestellt hatte und ging durch den großen Vorgarten auf das Haus zu. Jetzt erst bemerkte Tom, wie riesig das Haus war. Und schrecklich alt! Er musste tatsächlich einige Schritte zurückgehen, um die komplette Front des Gebäudes betrachten zu können. Peter hatte weitere Kartons aus dem Kofferraum geholt und schleppte sie gerade an Tom vorbei.

»Von innen ist es noch viel toller. Komm, und schau es dir an«, schnaufte er seinem Sohn entgegen.

Tom setzte sich wieder in Bewegung. Als er durch die Haustür ins Innere trat, ließ er vor Erstaunen die Taschen langsam sinken. Der Eingangsbereich war enorm. Das war schon kein Flur mehr. Das hier glich eher einer Halle! Wenn alle Räume solche Ausmaße hatten, würde er sich die erste Zeit bestimmt dauernd verlaufen.

»He, mach den Mund zu, sonst kommen noch Fliegen hinein!«, rief Andrea lachend, als sie ihren Sohn, noch immer wie erstarrt, im Eingangsbereich stehen sah. »Schau dich um, Papa und ich räumen das Auto schon leer. Der Möbelwagen kommt sicher auch bald an.«

Der Junge ging den Flur im Erdgeschoss entlang. Zur rechten Hand befand sich eine geräumige Küche, gefolgt von einem ebenso geräumigen Badezimmer. Zur Linken befand sich ein Treppenaufgang, der in den ersten Stock hinauf führte, eine Tür, durch die man in den Keller hinunter gelangte und ein riesengroßes Wohnzimmer. Tom empfand die leeren Räume nicht sehr einladend, aber wenn sie erst einmal eingerichtet waren, würde sich das hoffentlich ändern. Langsam trottete er die Stufen hinauf, um sich in den oberen Räumen umzuschauen. Den Anfang, wieder von der rechten Seite aus, machte ein kleines Badezimmer, dem das Schlafzimmer seiner Eltern folgte. Auf der linken Seite waren zwei große Zimmer zu sehen, die sogar eine Verbindungstür hatten. Hatte Mama nicht gesagt, dass das Schlafzimmer rechts lag? Tom überlegte gerade, für welchen Zweck dann jedoch die Verbindungstür sein sollte, als seine Mutter plötzlich neben ihm auftauchte. Fragend schaute er sie an. Andrea lächelte und sagte: »Na, jetzt hast du die Überraschung ja schon gefunden.«

Tom verstand nicht, was sie damit meinte, also erklärte Andrea: »Das eine Zimmer soll dein Schlafraum werden, das andere ein Spielzimmer. Ist das nicht eine tolle Idee?«

Erstaunt riss Tom die Augen weit auf. So viel Platz für ihn allein? Obwohl, überlegte Tom weiter. Seine Eltern hatten ihm ja versprochen, dass sie in dem neuen Haus mehr Zeit mit ihm verbringen würden. Und so, wie es jetzt aussah, schienen sie ihr Versprechen wirklich einzulösen. In seine Gedanken hinein hörte er seinen Vater rufen. »Der Möbelwagen ist da. Bleib ruhig hier. Du kannst dir ja schon einmal überlegen, welches Zimmer dann wie eingerichtet werden soll«, sagte Andrea und eilte die Stufen hinunter. Tom stand noch immer im oberen Flur. Er schwankte hin und her, ob er sein Schlafzimmer lieber im hinteren, oder im vorderen Raum haben wollte. Noch immer unschlüssig darüber ließ er seinen Blick über die Flurdecke gleiten, bis er an etwas hängen blieb. Ein einsamer Ring mit einem Seil daran schaute daraus hervor. »Was ist das denn?«, wunderte er sich. In diesem Moment drangen ihm Stimmen entgegen. Sein Vater kam, mit den Möbelpackern im Schlepptau, die Treppe hinauf und erklärte den Männern die Räumlichkeiten. »Und wohin die Sachen meines Sohnes kommen, das können wir ihn gleich fragen«, sagte Peter lächelnd, als er seinen Sohn erblickte.

»Guten Tag!«, begrüßte Tom die Männer. »Ich hätte gerne mein Bett im hinteren Zimmer und meine Spielsachen vorne. Was ist das für ein Seil, Papa?«, sprach er, ohne Luft zu holen und deutete auf die Öse in der Decke. Peter schaute dem Finger seines Sohnes hinterher. »Das, junger Mann, ist dafür, um einen Aufstieg zum Dachboden zu öffnen. Das klang spannend, fand Tom. »Darf ich mir den anschauen?«, fragte er. Peter wollte mit den Möbelpackern endlich anfangen, die Sachen ins Haus zu holen, also sagte er: »Ja, ich zieh dir die Klappe herunter, aber sei vorsichtig da oben.« Kaum hatte er die Luke geöffnet, klappte eine Treppe herunter. »Irgendwo in der Nähe muss ein Lichtschalter sein«, sagte Peter und wandte sich wieder den Männern zu. Gemeinsam verließen sie das obere Stockwerk und Tom war wieder allein. Vorsichtig stieg er die wenigen Stufen hinauf. Als sein Kopf durch das Loch in der Decke hindurch war, sah er tatsächlich schon einen Lichtschalter. Er befand sich an der Wand direkt vor ihm. Tom stieg vollends nach oben, langte nach dem Schalter und versuchte sein Glück. Nachdem er den Schalter betätigt hatte, dauerte es einen kleinen Augenblick, bis die Lampe reagierte. Viel heller wurde es allerdings nicht. Tom konnte nicht sehr weit in den großen Bereich hineinschauen. Was er aber ganz genau sehen konnte, war, dass alles ziemlich verstaubt und verdreckt war. Er glaubte nicht, dass hier oben etwas für ihn Interessantes war. Enttäuscht wollte er eben den Rückzug antreten, als er ein leises Flüstern hörte.

»Warum geht er denn schon wieder? Ich hatte gehofft, dass endlich jemand zum Spielen kommt.«

»Pst! Sei still, sonst erschreckst du ihn noch!«

»Hallo?«, rief Tom vorsichtig. Er bekam keine Antwort. »Ich komme mit mehr Licht zurück«, warf er vorsichtshalber in den weiten Raum und kletterte die Stufen hinab. Die Luke ließ er offen, damit er kommen und gehen konnte, wann er wollte und nicht jedes Mal seine Eltern um Hilfe bitten musste.

Erstaunt stellte Tom fest, dass die Umzugsleute schon all seine Sachen in seinem Zimmer verteilt hatten. Die Möbel standen an ihrem Platz, so wie seine Mutter sie haben wollte. Da es Tom egal war, wo was stand, befand er die Aufteilung für gut. Und wenn nicht, könnten sie das ein oder andere auch später noch umstellen. Einzig seine Spielsachen und die Kleidung waren noch in einer Menge Kisten, die er selbst einräumen durfte. Wie lange war er denn auf der Dachbodentreppe gewesen? Hastig warf er einen Blick durch das Treppengeländer. Im unteren Teil des Hauses waren alle noch mit hin und her räumen beschäftigt. »Super, da kann mich sowieso niemand dabei gebrauchen«, freute Tom sich und verschwand in seinem Zimmer. Er begann seine Kisten und Kartons zu durchwühlen, doch das, wonach er suchte, wollte einfach nicht auftauchen. »Also gut, dann muss ich wohl doch der Reihe nach gehen«, murmelte er in sich hinein, zog den ersten Karton zu sich heran und schaute hinein. »Mist, bloß Klamotten! Aber einräumen muss ich sie ja doch.« Kleidungsstück für Kleidungsstück fand seinen Platz im Kleiderschrank und endlich war die Kiste leer. In der nächsten Kiste, die Tom öffnete, fand er seine Bücher und einige Stofftiere. Er räumte die Bücher in ein Regal, platzierte die Stofftiere dazu und schon war auch dieser Karton geleert. Als er die dritte Kiste schon fast hoffnungslos aufklappte, stahl sich ein Lächeln in sein Gesicht. »Da bist du ja endlich!« Er griff zwischen weiteren Stofftieren hindurch und direkt nach der Taschenlampe, die sich zum Schutz zwischen den Tieren befand. Ein kurzer Test zeigte ihm, dass die Batterien noch vollständig geladen waren. Den Rest ließ Tom ungeachtet einfach stehen. Er eilte zu der Dachbodentreppe zurück und stieg langsam nach oben.

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