Inklusion im Buchgewerbe 4.6/5 (5)

Elvea-Inklusion (Download)

Alle reden drüber, der Elvea Verlag wagt es …
(Heike Susanne Rogg)

Dass Menschen mit Behinderung etwas zu sagen haben, bezweifeln nur Wenige, dass sie dies aber aufschreiben und als Buch veröffentlichen können, ist eine Erfahrung, die der Elvea-Verlag in Chemnitz gerade bewiesen hat.
Pünktlich zur Buch Berlin 2017 erschien das Kinder- und Familienbuch Manuel, das ‚Irgendwie-Anderskind‘ von Alexander Brummer. Der 48-jährige Neu-Autor beschreibt darin autobiografisch seine Kindheit, die von schwerer Krankheit gezeichnet ist, deren Folgen bis heute seinen Alltag bestimmt. Ein Leben, zwischen Herzstillständen, Komas und anderen lebensbedrohlichen Krisen, welches ihn mehrfach zwangen, Laufen, Essen, Sprechen und Schreiben neu zu erlernen. Erfahrungen, die er von Kindheit an mit Stift und Pinsel verarbeitet hat, indem er sie in Bildern öffentlich machte.
Daraufhin erhielt er eines Tages von einem Hamburger Literaturbüro die Anfrage für eine Illustration – womit alles anfing. Nachdem er die Tragik seines Lebens erzählt hatte, schenkte ihm Autoren-Coach, Daria Robjani zum Geburtstag einen Autorenkurs für Einsteiger. Trotz der Zweifel, die Alexander Brummer hegte – hatte er doch Krankenhäuser viel öfter von innen gesehen, als Schulen – blieb Daria Robjani hartnäckig und lehrte ihn, im Rahmen eines Spezial-Autorenkurses, das Schreiben Schritt für Schritt. Auch wenn ihn gesundheitliche Krisen immer wieder zu Auszeiten zwangen, lag am Ende ein vollständiges Manuskript auf dem Tisch.
In einer Facebookgruppe, die sich mit unveröffentlichten Leseproben beschäftigt, erschien dann vor etwa zwei Jahren ein Ausschnitt aus diesem Manuskript. Eine Autorin des Elvea-Verlages las es, befand es für gut und forderte das komplette Manuskript an. Dieses empfahl sie der Verlegerin, die gerade auf der Suche nach guter Kinder- und Jugendliteratur war. Und so kam die ganze Sache langsam ins Rollen.
Doch was sich jetzt wie ein Märchen anhört, war nicht ganz so einfach, wie es sich liest. Für die endgültige Veröffentlichung waren viele Helfer notwendig, die sich ohne Aussicht auf einen pekuniären Erfolg dafür einsetzten, dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte. Dazu gehörte in erster Linie Daria Robjani aus dem Hamburger Literaturbüro, die Autorin, die das Manuskript entdeckte und Korrektur las sowie eine mutige Verlegerin, die das Risiko auf sich nahm. Außerdem weitere Autoren des Verlages, welche die Präsentation auf der Buch Berlin begleiteten, die eigentlich völlig ungeplant in einer Nacht- und Nebelaktion realisiert wurde.
Wieder einmal wurde Alexander Brummer durch einen Herzinfarkt ausgebremst, woraufhin Verlag und Literaturbüro ihm schnellstens seinen Wunsch, das eigene Buch in den Händen halten zu können, erfüllen wollten. Innerhalb von nur vierzehn Tagen wurde jetzt aus dem Manuskript ein Buch, das eigentlich erst für 2018 vorgesehen war. Dass es aufgrund der Eile noch einige Fehler enthält, dürfte unter diesen Voraussetzungen verzeihlich sein. Pünktlich zur Berliner Buchmesse bekam Alexander jedenfalls sein Buch überreicht.
Daria Robjani nahm ihn dann für eine Woche unter ihre Fittiche und die beiden gingen in Alexanders Heimatstadt auf Werbetour. Mittlerweile gab es einige Lesungen, unter anderem in der Schule und im Altersheim von Teuschnitz. In der örtlichen Buchhandlung liegt das Buch aus und kann dort auch bestellt werden. Ein Leseprobe findet man unter: https://www.wattpad.com/500442609-das-irgendwie-anderskind

Aber nicht nur dieses Buch ist ein inklusives Projekt dieses kleinen Verlages aus Chemnitz. Viele der dort veröffentlichten Kinderbücher laufen in der Sparte »Leichter Lesen«. Diese ist speziell für Kinder gedacht, die an einer Leseschwäche leiden. Die Bücher zeichnen sich durch einen speziellen Satz, und eine leicht zu lesende, große Schrift aus. Beides ermöglicht leseschwachen Kindern, die Zeilen einfacher zu halten. Der Inhalt gliedert sich in kurze Kapitel und einen überschaubaren Seitentext, sodass jedes Kind relativ leicht den Erfolg erzielen kann, ein ganzes Kapitel geschafft zu haben.
Außerdem werden verschiedene Bücher in Großdruck angeboten, für Menschen mit einer Sehschwäche.
All diese Kleinigkeiten sollen dabei helfen, auch Menschen mit Beeinträchtigungen Lesefreude zu vermitteln. Wenn Sie bei diesen Projekten mithelfen möchten, wie viele unserer Autoren das im Hintergrund tun, dann stöbern Sie doch mal auf unserer Seite:
https://www.elvea-shop.de/produkt-kategorie/grossdruck/

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