We are Soulpunk-Forever – Peggy Axmann (Sofort lesen) Noch keine Bewertung

Prolog

Postausgang – Betreff: Ohne dich ...

Seit zwei Wochen Leere. Kein Zeichen von dir, keine Zeile wie es dir geht ... War die Realität doch der Schock, den du brauchtest, um dich von mir zu lösen?

Ich war nie das, was du aus mir gemacht hast. Göttin, hast du mich genannt. Mir Schönheit zugesprochen, die jeder Kamera und jedem anderen Menschen verborgen blieb. Ich war ich, in jedem Moment. In all unseren Gesprächen, unseren Telefonaten waren es meine Gedanken, meine Gefühle, meine Stimme, die da sprachen. Und vor 14 Tagen eben dieses Mädchen, welches vor dir stand, neben dir saß und in deinen Armen einschlief.

Du hast mich zurückgelassen ... Verstört, unsicher und glücklicher als so lange zuvor. Und nun sitze ich hier, schreibe diese Mail und weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Ob ich etwas falsch gemacht habe ...

Ich fühle mich wie ein verliebter Teenager. Mag ohne dich weder lachen, noch essen oder schlafen. Wie hast du es nur angestellt, mich so voll Gefühl zurückzulassen und zugleich eine solche Leere zu schaffen?

Zumal brennt in mir zum ersten Mal die Wut. Flammenhoch lodernd. So lange habe ich mir eingeredet, ich könnte diese Frau nicht hassen, die an deiner Seite ist. Weil sie vor mir da war. Weil ich gut verstehen kann, warum sie dich liebt. Aber seitdem ich dich sehen durfte, fühlen ... Wünschte ich endgültig, sie würde ihre Worte aus den zahlreichen Streitereien die ihr hattet, endlich wahrmachen und verschwinden! ...

Ich benehme mich vielleicht auch zu kindisch. Wegen zwei Wochen – und dies nicht zum ersten Mal – bräuchte ich wahrscheinlich nicht in Sorge zu sein. Verzeih es mir. Jedoch werde ich mich auch diesmal nicht für die Wahrheit dessen, was ich fühle, entschuldigen.

Diese drei kleinen Worte, so oft gedacht, so viel gefühlt und endlich ausgesprochen:

Ich liebe dich.

PS:

Vieleicht freut es dich zu lesen, dass mein Skript tatsächlich von einem Verlag genommen wird ... Meine kleine, alberne Geschichte wird tatsächlich gedruckt und unter der Schirmherrschaft eines Verlags stehen. Ich habe keine Ahnung, wo diese Reise hingehen wird und bereits jetzt ist die Angst vor dem Unbekannten greifbar, die du so gut von mir kennst.

***

Posteingang (zwei Tage später) – Betreff:

AW: Ohne dich ...

Du kleine, lächerliche Schlampe! Glaubst du ernsthaft, ich wäre so dumm gewesen, ihm zu glauben? Dass ich die scheinheilige Ausrede, er würde Verwandte besuchen, nicht durchschaut habe? Ich kenne all eure kleinen, niedlichen Emails, in zwei Tagen waren sie schnell gelesen. Hübsche Bilder übrigens, ich habe mich köstlich amüsiert!

Gott! Naives, hässliches, kleines Ding! Bildest du dir wirklich ein, er würde dich lieben? Sein Leben wegwerfen für so eine kleine Göre? Glaubst du, du wärst die Erste gewesen?

Ich habe längst aufgehört zu zählen, an wie vielen Miststücken er sich versucht hat die Hörner abzustoßen! Aber eins lass dir gesagt sein: Sollte es endlich soweit sein, dass sein Schwanz zur Ruhe kommt und ihm eine Frau reicht, dann werde ich diejenige sein!

Die Quittung für dich hat er schon bekommen! Und ich rate dir, halte dich zukünftig von ihm fern! Hässliches Entlein, such dir einen Erpel in deinem modrigen Teich!

Jasmin

PS: Damit es dir leichter fällt den Kontakt abzubrechen, habe ich seine Telefonkarte sperren lassen und sie nach seiner Heimkehr zerschnitten. Diese Mailadresse wird nach Sendung dieser Worte ebenfalls nicht mehr präsent sein. Und keine Hoffnung, er wird es nicht wagen, sich noch einmal bei dir zu melden.

***

Postausgang – Betreff:

AW:AW: Ohne dich ...

Ich weiß, dass sie nicht lügt. In all ihrer Wut und ihrem Hass ist sie genau das, was ich all deinen Worten entnahm ... Kalt, bösartig.

Und doch schreibe ich diese letzten Zeilen, auch wenn sie dich nicht erreichen werden.

Ein letztes Mal schreie ich, posaune es heraus – egal, was alle denken mögen in ihrem Unwissen:

ICH LIEBE DICH!!!

Was auch immer sie dir angetan hat, wie sie dich auch straft, ich weiß, dein Kopf wird oben sein. Sie kann dich nicht brechen. Nicht mit Worten und auch nicht mit Taten. Ich wünschte, ich hätte deine Stärke. Die Kraft, es an mir abprallen zu lassen. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass du einen Weg zu mir findest – sofern dies überhaupt noch dein Wunsch ist ... Ich weiß es nicht, deine Antwort bleibt mir verwehrt ... Doch wenn dies alles nicht nur ein Spiel war, nicht nur ein Kick zu diesem Albtraum, den du Beziehung schimpfst ...

Ich kann nicht mehr denken, will nicht mehr fühlen, es ist zu viel.

Gib nicht auf. Niemals. Versprich es mir, so dass auch ich einen Grund habe weiterzumachen.

***

Posteingang – Delivered

Ihre E-Mail konnte nicht versendet werden. Die angegebene Adresse existiert nicht oder ist fehlerhaft. Bitte prüfen Sie diese in der Empfängeradresse.

Von der Muse geküsst

Ich platzte fast vor Aufregung. Meine Muskeln waren angespannt, mein Herz kurz vorm Infarkt und mein Kiefer schmerzte. So fühlte sie sich an: Meine Angst, die Zähne beim Sprechen nicht auseinander zu bekommen und als nuschelnde Idiotin dazustehen. Matthias musterte mich eingehend, ihm entging meine Nervosität keineswegs. Zumal auch ihm am Erfolg dieser Lesung gelegen war. Wer hätte schon gedacht, dass ich, klein und unbedeutend wie so viele andere Fische im Haifischbecken des Autorentums, einen Bestseller landen würde. Zwei Jahre war ich in Matthias' kleinem Verlag. Er hatte mir die Chance gegeben, meine Bücher professionell auf den Markt zu bringen. Nach einem erfolglosen Jahr als Selbstverleger ohne Budget und einer Hand voll Leser. Es war die wohl bisher erfolgreichste Begegnung im Social Network meines Lebens. Meine Trilogie kam unter Vertrag und lief langsam an, während ich weiterschrieb. Sie legte den Grundstein. Anfangs war der Weg holprig. Probleme hoch wie Hinkelsteine stapelten sich zu einem Massiv, das nur mühsam und mit viel Geduld und Spucke aus der Spur geräumt werden konnte.

Aber es lenkte mich wunderbar ab. Von Liebeskummer geplagt und innerlich gebrochen, gab mir die Arbeit neuen Antrieb. Plötzlich hatte ich ein Ziel. Nein, nicht reich und berühmt werden. Ich glaubte schon immer, dass unter dieser Prämisse nur mittelmäßige oder gar schlechte Bücher das Tageslicht erblickten. Ich wollte Werke verfassen, die meinen persönlichen Ansprüchen gerecht wurden. Und dies gelang am Besten in den Momenten, in denen ich begann eine kleine, vielleicht alberne Idee zu verfolgen. Diese zu formen, sich entwickeln zu lassen und meinem Kopf die Freiheit geben, einfach zu spinnen. Das Resultat war nun ein viertes Buch. Ganz anders als die vorherigen. Nur der Stil, den ich seit Anbeginn durchzog und den ich mir nicht hatte verbieten lassen, war den anderen Schreibarbeiten ähnlich. Eben dieses vierte Buch, eine dramatische Liebesgeschichte fernab von meinen bis dahin geschaffenen, erotisch angehauchten, Fantasyergüssen, brachte den Erfolg. Und dieser wiederum führte dazu, dass ich mich in wenigen Minuten einer Schar Menschen stellen musste. Leute, die eine professionelle Lesung erwarteten. Im Anschluss sollte eine kleine Fragerunde stattfinden. Mir lief es jetzt schon den Rücken hinab, das kleine Spinnengetier. Das Tier, welches die Furcht in meinen Nacken injiziert hatte, giftig und Übelkeit erregend.

»Du schaffst das schon.« Matthias wollte mich beruhigen, aber ich hörte die Bitte aus seinen Worten. Die Bitte, es nicht zu versauen. Ich hatte keinerlei Übung darin. Lesungen waren bisher meine Achillesferse und daher war ich ihnen aus dem Weg gegangen. Doch jetzt konnte ich es nicht mehr. Die Welt, zumindest ein winziger Bruchteil davon, wollte die Autorin Susan Storm kennenlernen. Mein Pseudonym klang so viel stärker als ich. Ein kleines Windchen hätte besser gepasst. Ich schluckte und würgte Magensaft hinab, der mir bitter aufstieß.

»Ich versuche mein Bestes ... Wie immer.« Meine Zunge fühlte sich geschwollen und belegt an. Der Mund war staubtrocken. Mein Verleger lächelte.

»Paula,« er sprach leise, damit mein wahrer Name in keinen falschen Gehörgang geriet, »du, wir haben bisher Hürden gemeistert, vor denen andere kapituliert haben. Eben weil du dein Bestes gegeben hast. Ich setzte auf dich. Und ich vertraue dir.«

Mir war es nicht möglich zu differenzieren, ob in diesem Moment der Verleger oder Freund – der er in den vergangenen Jahren geworden war – sprach. Aber ich wusste, dass ich ihn nicht enttäuschen wollte. Und mich auch nicht. Paula Wolzkey, alias Susan Storm, lebte derzeit ihren Traum. Und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich ihn halten konnte. Zart und zugleich beschützend wie eine Seifenblase zwischen meinen Händen. Ich nickte, mehr zu meinem inneren Entschluss, denn aus Zustimmung. Dann straffte ich die Schultern, wandte mich um und erklomm die drei kleinen Stufen des Podestes. Mein Stuhl erwartete mich. Das Buch mit den leuchtend bunten Post-Its lag bereit, aufgeschlagen auf Seite 29. Ich sah die Buchstaben vor mir, die Wörter und Sätze, die sie formten. Tagelang hatte ich sie gelesen. Mir eingeprägt und versucht Pausen zu setzen, um mir aufmunternd im Spiegel zuzulächeln. Mit geradem Oberkörper und pulsierendem Hirn nahm ich Platz, zog die Mundwinkel nach oben und begrüßte mein Publikum. Alle Stühle waren besetzt, dahinter noch etwa zehn Personen stehend. Presseausweise baumelten um ihre Hälse und blitzten mir entgegen. Ich spürte, wie mein Lächeln breiter wurde. Wie oft und wie viele Zeitungen hatte ich angeschrieben? Ein Dutzend, zwei? Jede verdammte Publikation hatte ich versandt. Mit Pressemitteilung, Bildern, Auszügen, Autorenportrait und dem Hinweis, dass Presseexemplare der Werke gerne zur Verfügung gestellt würden. Nichts. Niemals. Auch bei Träne des Phönix – dem Buch das jetzt und hier wartete.

Erst seit einigen Wochen, nachdem ein wahrer Hype um diese Geschichte mit dem brennenden Cover ausgebrochen war, wollten sie alle ein Interview oder meine Zusage, einen Artikel zu drucken. Und nun waren einige dieser Aasgeier hier. Bereit, jeden noch so kleinen Fehler zu veröffentlichen. Nichts verkaufte sich so gut wie Schadenfreude. Eines der zahlreichen Krebsgeschwüre dieser Gesellschaft. Ich würde es ihnen nicht geben. Im Bruchteil einer Sekunde änderte sich mein Ziel von Ich will nur irgendwie hier durch zu: Ich werd es Euch allen zeigen! Ohne langes Zögern stellte ich mich vor, berichtete kurz vom Buch und las drauf los. Meine Ohren schalteten in einen Modus, in dem ich meine Stimme nur noch gedämpft wahrnahm. Die Bilder in meinem Kopf hingegen waren scharf und kontrastreich. Meine zwei Verliebten in zärtlicher Umarmung. Sie mit Tränen im Gesicht als er ging ... Gemälde die mein Hirn fabrizierte. Eine Mischung aus Imagination und einer längst vergangenen Realität.

Ich las die letzte Zeile, dann schlug ich theatralisch das Buch zu. Ende der Lesezeit. Meine Zuhörer zogen enttäuschte Mienen. Auch wenn sie alle, oder zumindest ein Großteil, die Story kannten – sie hätten gern mehr gehört. Ich richtete das Wort an sie und bemerkte ein leichtes Zittern in meiner Stimme. Ich hoffte aber, dass es außer mir niemand bemerkte. Selbst wenn, mir blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn der erste Presse-Heini schmiss mir eine Frage zu.

»Frau Storm, wie schafft man es, die Menschen auf eine solche Art zu bewegen, wie Sie mit diesem Werk?« Der Typ schob seine Brille etwas nach oben und hielt dann sein Diktiergerät in meine Richtung. Ich umfasste mit einer Hand das kleine Mikrofon vor mir und antwortete:

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